Geschichte der Brigidaschule und ihrer Namensgeberin

 

(Dieser Text folgt im Wesentlichen der Chronik in einer Festschrift, die anlässlich der Einweihungsfeier des neuen Gebäudes der Brigidaschule am 22. Mai 1976 erschien. Verfasst wurde die damalige, ausführlichere Geschichte der Brigidaschule von Rektor Wüllenweber.)

Die Chronik erwähnt die Brigidaschule in Berzdorf erstmals im Jahre 1844. Damals unterrichtete der Lehrer Zimmer an der Schule. Viel mehr ist aus diesem Anfangsjahr nicht berichtet.

Im Jahre 1848 wurde auch Berzdorf von der in Deutschland wütenden Pockenepidemie heimgesucht. Auch unter den Schülern forderten die Pocken manches Opfer. Die Schule musste für 6 Wochen geschlossen werden, da auch der Lehrer Zimmer an den Pocken erkrankte. Glücklicherweise konnten viele Menschen gerettet werden, da erstmals gegen die Krankheit geimpft werden konnte.

1858 wurde die Kirche "Schmerzhafte Mutter" gebaut, in der die Schüler noch heute in der praktischen Ausübung der katholischen Religion unterwiesen werden.

Im Jahre 1875 hinterließ der Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche um die Inhalte des Schulunterrichts auch in Berzdorf seine Spuren: dem Pfarrer Marx wurde die Lokalschulinspektion über die Schule entzogen und dem Bürgermeister übertragen.

Ein Erdbeben erschütterte die Wände des Schulgebäudes im August 1878. "Der Ofen schwankte und es entstand ein großes Geräusch," verzeichnet die Schulchronik.

Aus dem Jahre 1886 ist die Einwohnerzahl Berzdorfs überliefert: insgesamt 673 Einwohner, davon 12 evangelischen und der Rest katholischen Glaubens.

Im Jahre 1889 versucht die Schule durch "Feldhüter" der grassierenden Sitte des "Schulschwänzens" Herr zu werden. Man holte Kinder, die ihren Familien bei der Ernte helfen mussten, mit sanfter Gewalt zurück in die Schule.

Im Jahre 1914 wird die Schule wegen des Ausbruchs des 1. Weltkrieges für einige Wochen geschlossen.

Als nach Ende des Krieges das Rheinland von alliierten Truppen besetzt wird, werden einige englische Soldaten auch in der Brigidaschule einquartiert.

Am 10.November 1926 findet der erste Martinszug in Berzdorf statt, der eine bis in die heutige Zeit reichende Tradition begründet.

Im Jahre 1939 wird die Brigidaschule zur "Deutschen Schule". Alle Kerzen und sonstige an die katholische Religionsausübung erinnernden Gegenstände werden aus den Schulräumen entfernt.

Im Jahre 1959 verzichten die evangelischen Eltern auf die Einrichtung einer evangelischen Bekenntnisschule in Berzdorf.

Die Gemeindereform geht 1960 auch an Berzdorf nicht vorbei. Die Berzdorfer schreiten zur Abstimmung und entscheiden sich mit 720 gegen 710 Stimmen für die Eingemeindung nach Wesseling. Diese knappe Entscheidung ist auch über 40 Jahre später noch umstritten.

Im Jahre 1962 erhält die Schule auf Antrag von Rektor Jakob Nolden vom Wesselinger Gemeinderat den offiziellen Namen "Brigidaschule, Katholische Volksschule Wesseling-Berzdorf".

Wegen der Schulreform wird die Brigidaschule nach den Sommerferien 1968 zur Grundschule für die Klassen 1-4.

Am 22. Mai 1976 wird der neue Verwaltungstrakt mit einem großen Schulfest von allen Kindern, Eltern, Lehrern und Rektor Wüllenweber eingeweiht.

Links ist das alte Schulgebäude zu sehen.

Anfang der 90er Jahre reißt man schließlich das alte Schulgebäude ab und erweitert so den Schulhof der Brigidaschule um eine viel genutzte Spielwiese für die Kinder.

Auf Einladung des Bürgermeisters fand am Dienstag, 30.11.1999, die offizielle Einweihung unseres Schulforums und der neuen Klassenräume statt. Aus diesem Anlass hatte das Kollegium ein buntes Festprogramm zusammengestellt, das an diesem Tag mit vielen Kindern aus allen Klassen sehr zur Freude der geladenen Gäste aufgeführt wurde.

  

Im Vorfeld der offiziellen Einweihung gab es bereits zwei Auftaktveranstaltungen, bei denen die Kinder und die Eltern bereits Gelegenheit hatten, das neue Forum "in Aktion" kennen zu lernen. Für die Kinder war am 22.10.1999 der "Kölner Spielezirkus" zu Gast und für die Eltern fand am 30.10. eine Theateraufführung des Kleinen Theaters Brühl statt.

Am 18. Mai 2000 wurde das von den Firmen Hewlett-Packard, Gasversorgungsgesellschaft mbH Rhein-Erft und NetCologne gespendete Computernetzwerk offiziell unserer Schule übergeben. Durch diese Schenkung wurde es der Brigidaschule möglich, bereist in der Grundschule eine moderne und zukunftsorientierte Medienerziehung zu verwirklichen. Aus diesem Anlass fand im Forum der Schule eine Feierstunde mit Abendessen statt.

Am 22. Juni 2002 war die ganze Schulgemeinde zur offiziellen Übergabe von 10 Computerarbeitsplätzen für die Medienecken in den Klassenräumen der Schule erschienen. Weiterhin waren viele Gäste und Freunde der Brigidaschule gekommen. Ganz besonders begrüßt wurden der Bürgermeister Günter Ditgens sowie der Erste Beigeordnete Bernhard Hadel zusammen mit den Repräsentanten der beteiligten Firmen.

2004 musst die Spielwiese auf dem oberen Schulhof zum Teil einem Pavillon weichen, in dem jetzt eine Klasse untergebracht ist.

 

 

Wer war die heilige Brigida?

 

In der Berzdorfer Kirche "Schmerzhafte Mutter" wird als zweite Schutzheilige die heilige Brigida verehrt. Nicht nur Neu-Berzdorfer können mit dem Namen Brigida zunächst wenig anfangen. Deshalb hier ein kurzer Ausflug in die (irische) Geschichte:

Brigida wurde im Jahre 453 nach Christus im heutigen Faugher in Irland geboren. Sie legte mit 14 Jahre das Gelübde ab, ihr Leben dem Glauben an Gott zu widmen. Bedenkt man, dass der große Heilige Irlands, St. Patrick, erstmals im Jahr 461 das Evangelium auf der grünen Insel verkündet hatte, offenbart das eine bemerkenswerte Entschlusskraft für einen Teenager.

Brigida, die in Irland als St. Brigid verehrt wird, eignete sich offenbar weitgehende medizinische Kenntnisse an. Jedenfalls kann man das aus der Überlieferung entnehmen, die von der Gründungsgeschichte ihres Ordens berichtet: Der König, der über die Landschaft um Faugher herrschte, erkrankte an einem Leiden, das sein Arzt nicht kurieren konnte. Brigida konnte helfen und den König heilen. Als Dank versprach er ihr zu geben, was sie wünschte. "So viel Land, wie mein Umhang bedecken kann," antwortete Brigida, "denn ich brauche Weide um meine Herde Schafe zu füttern." Der König wollte ihr das Geforderte gerne geben, denn wie viel Land konnte ein Umhang schon bedecken. Aber als Brigida den Umhang abnahm und ihn über der Erde ausbreitete, wurde dieser auf wunderbare Weise immer größer und größer und bedeckte schließlich ein großes Stück Land mit Weiden und Bäumen. Auf diesem Land gründete Brigida ihr Kloster.

Das Kloster der Brigida wurde in der Nähe von Eichen errichtet. Es wurde deshalb von den Einheimischen gälisch "Cill Dara" genannt, "die Kirche bei den Eichen". Aus dieser Bezeichnung entstand der Name Kildare, den heute der ganze Landstrich trägt. "Cill Dara" sollte bald ein einzigartiges Kloster werden, denn dort lebten Nonnen und Mönche in einer Gemeinschaft miteinander.

Als Brigida im Jahre 525 am 1. Februar starb, entzündete man auf ihrem Grab eine Flamme, die über 700 Jahre ohne Unterbrechung brannte. Erst als in der Zeit der Reformation das Kloster zerstört wurde, erlosch die Flamme.

Im Mittelalter kam der Name und der Glaube der Brigida durch irische Wandermönche auch ins Rheinland. In Köln wird die Pfarrkirche St. Brigida zwar erstmals im Jahre 1172 erwähnt, jedoch bestand bereits vorher eine Gemeinde, die sich auf die irische Nationalheilige berief. Auf einem Holzschnitt von Anton Woensam von 1531 lässt sich St. Brigida südwestlich von Groß St. Martin, wo heute noch eine Statue der Heiligen Brigida zu finden ist, gut erkennen. Über 600 Jahre steht die Kirche in Köln. Mit der Besetzung Kölns durch die Truppen Napoleons findet jedoch die Geschichte St. Brigidas ihr jähes Ende. Die Kirche wird, zusammen mit vielen anderen Klöstern, Kirchen und Kapellen in dieser Zeit der Säkularisierung, im Jahre 1805 abgerissen. Heute ist von ihr nichts als eine Gedenktafel geblieben.

Holzschnitt von 1531 in hoher Auflösung                      Großansicht der Brigidastatue in Groß St. Martin in Köln

Von der heiligen Brigida wird aber weiter erzählt, dass sie sich nicht ausschließlich um kranke Menschen kümmerte, sondern sich auch um die Tiere der Bauern sorgte. Dieser Tradition folgend beten Menschen noch heute zur heiligen Brigida um Gesundheit für ihre Tiere. Aufgrund ihrer irischen Heimat, in der die Bauern hauptsächlich Schafherden auf ihren Weiden halten, wird Brigida meist mit einem Schaf an der Seite dargestellt. So auch auf in einer Skulptur in unserer Schule. Seit 1976 gibt es in Berzdorf die Tradition der Tiersegnung am Godorfer Kreuz, die auf diese Weise an das Leben der St. Brigid aus Faugher erinnert. Diese Segnung der Tiere findet seitdem stets um den 1. Februar statt, der als Todestag der Brigida ihr besonderer Gedenktag ist.